Unsere Reise nach Polen und das Ende nach 20 Stunden

Freitag, der 13. März. Das Coronavirus ist in aller Munde. Von einer Krise war jedoch bisher keine Rede. Dies sollte sich im Laufe dieser Reise ändern. Dazu aber später mehr.

 

Es sollte eine Überraschung werden. Denn wir wurden eingeladen zu einem ganz besonderen Wochenende. Wohin es ging das erfuhren wir erst nach unserer Ankunft in Berlin. Als wir ankamen wartete bereits ein anderes Fahrzeug auf uns und wir wurden sozusagen entführt. Nach etwa 3 Stunden Fahrt hatten wir Deutschland verlassen und betraten das schicke Wellness Hotel Namens Villa der Mar, direkt an der polnischen Ostsee. 

 

Da ich jedoch nicht genau wusste was auf uns zukommt, war nur die Grundausrüstung dabei. Und die war recht simpel. Sony Alpha 6000 und das Sigma 2,8. Eine Festbrennweite mit 19mm. Mehr hat es auch nicht gebraucht. Kein schweres Gepäck, kein Stativ, keine weiteren Wechselobjektive, nichts.

Mit dem Vorhandenen auskommen zu müssen ist unheimlich lehrreich und zwingt zum improvisieren. Deswegen hatte ich auch keine Scheu mit minimalen Mitteln zu arbeiten. Es ist oft nicht hilfreich sich ständig Gedanken über alle möglichen Individualitäten zu machen. 

 

Wir informierten uns über die aktuelle Corona Situation in Deutschland und nun natürlich auch über die Lage in Polen. Machten einen Moment Pause und brachen kurze Zeit später zu einem langen Spaziergang auf. Es wurde Nachmittag, die Sonne stand tief und der Wind ließ kaum nach. Zu dieser Zeit ist das erste Bild des Tages direkt am Strand entstanden. Besonders wichtig war mir hier die Einhaltung der Drittel- Regel um das Motiv entsprechend auszurichten. 

Sony A6000, F6,3 - 1/800, ISO250, 19mm, Belichtungskorrektur -0,3 Mehrmeldmessung, Objektiv Sigma 19mm F2,8 DN Art
Sony A6000, F6,3 - 1/800, ISO250, 19mm, Belichtungskorrektur -0,3 Mehrmeldmessung, Objektiv Sigma 19mm F2,8 DN Art

Die Sonne wurde immer intensiver. Gegenlichtsituationen sorgen für tolle Silhouetten. Sind jedoch auch schwierig zu fotografieren. Gar nicht viel nachdenken und versuchen es perfekt zu machen. Das schaffen oft nicht mal die Profis auf Anhieb. Ich gebe zu das entsprechende Vollformat- oder APS-C Sensoren hier deutliche Vorteile bieten und mit diesen Lichtverhältnissen besser zurechtkommen. Aber auch Linsen von Handys sind inzwischen deutlich fortgeschritten und eignen sich. Die wichtigste Aufgabe hierbei besteht wohl darin überhaupt erstmal ein Foto zu machen. Einfach mal draufhalten und den Auslöser drücken. 


Sony A6000, F6,3 - 1/1600, ISO128, 19mm, Belichtungskorrektur -0,3, Mehrmeldmessung, Objektiv Sigma 19mm F2,8 DN Art
Sony A6000, F6,3 - 1/1600, ISO128, 19mm, Belichtungskorrektur -0,3, Mehrmeldmessung, Objektiv Sigma 19mm F2,8 DN Art

Dieser 45m hohe Leuchtturm ist ein Wahrzeichen von Niechorze und seit 1866 in Betrieb. Übrigens auch heute noch. Bei dieser Aufnahme wird schnell deutlich. Vordergrund macht Bild gesund. Ohne die Bank im Vordergrund würde das Bild verloren wirken.

 

Sony A6000, F6,3 - 1/160, ISO250, 19mm, Belichtungskorrektur -0,3, Spotmessung, Objektiv Sigma 19mm F2,8 DN Art
Sony A6000, F6,3 - 1/160, ISO250, 19mm, Belichtungskorrektur -0,3, Spotmessung, Objektiv Sigma 19mm F2,8 DN Art

Am nächsten Morgen war das Wetter deutlich besser und wir freuten uns auf einen Tag mit ganz viel Wellness. Mit einem Blick aus unserem Zimmerfenster starteten wir den Tag. Jedoch ohne eine Ahnung wie dieser Tag enden würde.

HTC U11, F1,7 - 1/4400, ISO128, 4mm
HTC U11, F1,7 - 1/4400, ISO128, 4mm

Bereits in der Nacht zum Samstag spitze sich die Situation zu. Das Coronavirus war nun das beherrschende Thema. Gegen die Mittagszeit klingelte unser Zimmertelefon. Am anderen Ende die Chefin des Hotels. Sie beschrieb die aktuelle Lage in gebrochenem Deutsch. Polen drohte die Landesgrenzen zu schließen. Auf einmal war alles anders. Die Situation unübersichtlich. Sollten wir Polen nicht mehr verlassen können? Die Medien wiederholten inzwischen ununterbrochen Lageberichte aus allen europäischen Ländern. Die ersten Gäste verließen zu diesem Zeitpunkt bereits das Hotel. Nach einem weiteren Gespräch mit der Hotelleitung brauchten wir nur wenige Minuten um eine Entscheidung zu treffen. Wir packten kurze Zeit später unsere Sachen und machten uns auf den Weg nach Deutschland. Immer mit dem Hintergedanken das von nun an alles möglich ist. Die Rückfahrt verlief normal.Eine gewisse Anspannung war jedoch nicht zu leugnen. Eine Grenzschließung erfolgte dann in der Nacht zum Montag. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Antje und Peter für dieses Geschenk. Auch wenn es nur kurz war. Die Zeit war toll und wir holen das noch. Dann ohne Coronavius. Versprochen !

Auch wenn die wenigen Aufnahmen an diesem Tag keine Preise gewinnen, so erzählen sie doch eine Geschichte. Sehr oft ist es genau das was ein Bild ausmacht. Was wäre ein Erlebnis ohne den Moment, ohne die Erinnerung? Für mich ist es die Story, die so wichtig ist wie die Aufnahme selbst. Vielleicht auch manchmal noch wichtiger.

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